Weihtag der Lateranbasilika (09. November 2008)

Joh 2, 13-22 
 

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte. 

Heute feiert die Weltkirche den Weihetag der Lateranbasilika. Die Patriarchalbasilika San Giovanni in Laterano ist gemäß der Inschrift am Eingang „Haupt und Mutter aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises". Sie - und nicht St. Peter im Vatikan - ist die eigentliche Bischofskirche des Papstes. Die Lateranbasilika ist eine der vier Patriarchalkirchen. Die übrigen sind St. Peter im Vatikan, St. Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Außerhalb Roms gibt es nur zwei weitere Patriarchalbasiliken: San Francesco und Santa Maria degli Angeli in Assisi. 

Am heutigen Feiertag hörten wir die Geschichte, wie Jesus das bunte Jahrmarkttreiben aus dem Tempel hinausjagte. Das Ereignis erinnert die Jünger an die Worte des Psalmisten: „Der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt“ (Ps 69,10). Was möchte uns die Liturgie damit lehren? Es ist klar. Der Tempel soll ein Ort sein, wo Menschen Gott begegnen können. Heutzutage aber könnte Jesus nur noch Touristen aus der Kirche treiben. Wo sind die Christen? 

Ich habe einen zwölfjährigen Wiener Jungen gebeten, er solle die fünf Gebote der Kirche aufzählen. Der Junge hatte schon sechs Jahre lang Religion gelernt, aber von den fünf Geboten der Kirche hatte er noch nie gehört. Als ich das erste Gebot vorsagte: „Man soll am Sonntag und den anderen gebotenen Feiertagen an der Messe teilnehmen …“, antwortete er mir: „Die Frau Religionslehrerin sagte uns, dass wir natürlich öfter zur Messe gehen sollten, aber wenn wir krank sind, wenn wir ein Ausflug machen oder ein Familienprogramm haben, dann sind wir nicht verpflichtet zur Messe zu gehen. Sie sagte uns ein Beispiel. Sie hat zwei Kinder. Sie muss kochen, für die nächste Woche alles vorbereiten. Das erste ist die Pflicht!“ Ja! Diese Frau weiß nicht, dass auch die Gebote der Kirche zur Pflicht gehören, aber wird bezahlt dafür, dass sie gegen die Lehre der Kirche die Kinder unterrichtet. Ich wundere mich nicht, dass ein Bekannter zu mir sagte: „Ich will nicht, dass mein Kind in der Schule Religionsunterricht hat. Meine Frau und ich unterrichten meine Kinder zu Hause. Wir möchten“ – sagte er- “dass unsere Kinder katholische Christen werden“. 

      Langsam wurde ich traurig. Es waren Zeiten, als der Herr eine Geißel aus Stricken machte und die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler aus dem Tempel hinaus trieb. Heute treiben die „Nachfolger und Nachfolgerinnen des Herrn“ die Kinder aus der Kirche. Wie schön wäre es, wenn der Herr zurückkommen möchte und diese Schacher von den Lehrstühlen wegjagen möchte. Vielleicht wären die Kirchen danach wieder voll mit Gläubigen.