2. Adventsonntag

Wien, am 09. 12. 2007

2. Adventsonntag

Mt 3, 1-12

In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung. Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“

Johannes der Taufer ist eine zentrale Persönlichkeit des Advents. Als der Erzengel Gabriel dem Priester Zakarias die Geburt des Johannes kundgab, teilte er ihm über den Sohn gleichzeitig mit: „Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren“ (Lk 1, 16). Der Evangelist Matthäus erzählt uns im heutigen Evangelium, dass Johannes seine Sendung erfüllte und „die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus“ Auch Josephus Flavius berichtet, „viele kamen zu Johannes, die seine Worte anfeuerten …“ (JüdAlt XVIII 5,2).

Johannes bekam, um ihn vom Evangelisten Johannes zu unterscheiden, den Beinamen „der Täufer“. Wörtlich übersetzt bedeutet „der Täufer“: einer, der jemanden untertaucht. Der Vorgang des Untertauchens symbolisiert in dem Alten Testament die levitische Reinheit. Das Gesetz ordnete an, dass derjenige, der sich der Reinigung vom Aussatz unterzieht, sich in Wasser untertauchen soll und dann wird er rein sein (vgl. Lev 14, 6). Ebenfalls mussten die, die durch geschechtliche Ausflüsse (vgl. Lev 15, 1ff) oder durch Leichen (vgl. Nu 19, 11ff) unrein geworden waren, in Wasser untertauchen und konnten dann am Leben der Gemeinde wieder Teil haben. Das Tauchbad gehörte mithin zu denjenigen religiösen Pflichten, zu denren Erfüllung der gesetzestreue Israelit unzählige Male in seinem Leben Veranlassung hatte.

Über das zum Tauchbad geeignete Wasser hat der Talmud genaue Bestimmungen. Danach nimmt den ersten Rang das lebendige, das fließende Wasser ein. So ist es verständlich, dass auch Johannes beim Jordan taufte.

Die Vollziehung des alttestamentlichen ritualen Untertauchens ist das Vorbild der Taufe des Johannes. Aber inhaltlich hat das Untertauchen und die Taufe des Johannes nichts mit einander gemeinsam. Das Untertauchen symbolisiert die rituale Reinheit, den Sinn der Taufe des Johannes hat er selbst so formuliert: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Ja, der zentrale Inhalt des Evangeliums lautet: Das Reich Gottes ist nahe. „Das Wort ,Reich Gottes‘ ist nicht eine Sache, nicht ein Herrschaftsraum wie weltliche Reiche. Es ist Person: ER ist es.“ (Benedikt XVI, Jesus von Nazaret, Freiburg i. Br., 2007, 79).

Noch zwei Wochen und Er, das Reich ist da. Auch uns ruft Johannes der Täufer: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“