Allerheiligen (01. November 2008)

 Mt 5, 1-12a 

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden; selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. 

     Einmal sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12, 24). Heute feiern wir Allerheiligen. Der Tag Allerheiligen ist wie ein großes Erntefest. Es ist das Fest der Früchte, die aus dem Sterben des Weizenkorns wachsen. Es ist zwar ein Erntefest, aber noch ist die Ernte nicht beendet. Auch auf unserem Weizenfeld sind die Weizenkörner noch auf den Halmen. Sie sind noch nicht reif genug. Ein Bauer erklärte mir: „Der Weizen will Sonne.“ 

      Die Sonne des inneren Lebens ist die Fröhlichkeit. Niemand ist als heilig geboren. Um reif d. h. heilig zu sein, muss man kämpfen. Der Heilige Dominikus von Savio (1842-1857) wollte unbedingt heilig sein. Zu Don Bosco sagte er einmal: „Ich bin der Stoff, und Sie sind der Schneider. Nun gut. Nehmen Sie mich mit und machen Sie aus mir ein schönes Gewand für den Herrn!" Bei seiner Traurigkeit und Angst, dass er kein Heiliger werden könne, tröstete ihn Don Bosco damit, dass Freude, die aus dem Frieden mit Gott und mit den anderen kommt, eine wichtige Basis für Heilige sei. So lautet das Rezept Don Boscos: Die drei Zutaten, um heilig zu werden, sind Fröhlichkeit, Pflichterfüllung und anderen Gutes tun. Denn so sagte der Jugendapostel Don Bosco: „Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger." 

      Heilig werden ist eine Frage des Willens. In der Zeit des Kommunismus konnte man bei uns in Ungarn keine religiösen Bücher kaufen. Einmal fand ich am Schwarzmarkt ein Buch von Don Bosco. Eine ältere Dame, eine Schwester eines pensionierten Priesters, musste es verkaufen, weil sie kein Geld für Brot hatten. Ich habe mein ganzes Taschengeld zusammengekratzt, dazu noch von meinen beiden Omas eine kleine Ergänzung erbettelt und das zweibändige Buch gekauft. Ich besitze sie noch heute. Nun in diesem Buch las ich, dass, Don Bosco in Rom war und in der St. Peter Basilika in den verschiedenen Nischen die Statuen der Heiligen sah. Auf einmal sah er eine einzige leere Nische. Er ist stehen geblieben, schmunzelte und sagte zu seinen Begleitern: „Die dort ist für mich aufbehalten.“ Wer heute die Basilika aufsucht, findet keine leere Nische mehr. An Stelle der leeren Nische steht die Statue des heiligen Don Bosco.  

Aber man soll keine Angst haben, obwohl im Petersdom keine leere Nische mehr ist, das macht nichts. Der Herr ist vorangegangen, um für uns einen Platz vorzubereiten. Er selbst sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ (Joh 14, 2). Es hängt nur von uns ab, dass wir mit dem Rezept des heiligen Don Bosco ebenfalls heilig werden.