29. Sonntag im Jahreskreis (19. Oktober 2008)

Mt 22, 15-21 

Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! 

Von einem österreichischen Dramatiker, Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862), stammt die berühmte Frage. „Die Phönizier haben das Geld erfunden – warum bloß so wenig?“ Ich möchte aber nicht über die Frage diskutieren, wer, wann, wo und warum das Geld erfunden hat. Die Frage nach dem Geld interessiert uns heute nur insoweit, als die Pharisäer mit den Anhängern des Herodes dem Herrn die Frage stellten: „Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht?“ Als sie ihm eine Steuermünze zeigten, sagte er zu ihnen: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ 

Als Ministranten haben wir im Gottesdienst Kollekte gesammelt. Wenn jemand Geld in den Korb geworfen hat, dann mussten wir sagen: „Vergelt’s Gott!“ Das bedeutet nach dem Herkunftswörterbuch von Duden: Gott soll es Ihnen zurückzahlen (Aufl. 2, Mannheim, Dudenverlag, 1989, S. 228). Logisch ist danach die Frage: Hat auch Gott eigenes Papiergeld? Hat Er eigene Münzen? Wie wird Er „vergelten“, wie wird Er zurückzahlen? Hat Er auch eine Bank? Ist seine Bank sicher? Sollten wir Angst haben, dass auch seine Bank vor der Pleite steht und wir nie bekommen werden, was wir erhofft haben?  

Geld ist ein Zwischentauschmittel. Gott aber braucht kein Zwischentauschmittel. Er kann jedem geben, was er wünscht, und was ihm Gott geben will. „Bittet, dann wird euch gegeben“ – sagt uns Jesus (Lk 11, 9). Er kann auch etwas geben, was man um Geld nirgends kaufen kann: Friede, Gesundheit, die Vergebung der Sünden, Freude usw. Im Weiteren ist vom Tauschmittel keine Rede, denn alles, was wir von Ihm bekommen, ist ein „Gratisgeschenk“, eine unentgeltliche und nicht als Belohnung erhaltene großzügige Gabe.  

Wenn aber die Sache so steht, dann existiert auch keine göttliche Bank? Das möchte ich doch nicht sagen. Nur - diese Bank wird nicht von Räubern oder Managern geleitet, und auf dem himmlischen Konto stehen die „Vergelt’s Gott“-Dankbarkeiten. Nach dem katholischen Volksglauben werden die „Vergelt's Gott“ in der Ewigkeit gesammelt und man käme in den Himmel, wenn man im Tag drei “Vergelt's Gott“ empfangen würde.  

In einer Sage vom Vergelt's Gott-Sammler ließ sich ein böser und geiziger Bauer überreden, einen Fußweg durch seinen Hof allgemein benützen zu lassen. Allerdings stellte er die Bedingung, dass jeder Vorübergehende vor seinem Hofkreuz ein „Vergelt's Gott“ sagen müsste, und bei jedem „Vergelt's Gott“ machte er eine Kerbe in das Kreuz. Nach seinem Tod wollte Petrus dem bösen Bauern den Einlass zum Himmel verweigern, doch die gesammelten „Vergelt's Gott“ fielen schwerer ins Gewicht als seine Sünden, sodass ihn Petrus in den Himmel lassen musste. 

Auch Papst Benedikt XVI verwendet diese Dankformel. Als er sich aus seiner bayerischen Heimat verabschiedete, sagte er am Flughafen: „Mit einem herzlichen "Vergelt's Gott und Auf Wiedersehen, so Gott will". Nun, ich sage euch heute, am Ende meiner Rede ein herzliches "Vergelt's Gott“ und ich hoffe, dass ihr heute noch viele „Vergelt's Gott“ bekommt und auch gebt.