Unbefleckte Empfängnis

Wien, am 8. Dezember 2007

Lesejahr A - Unbefleckte Empfängnis

Lk 1, 26-38

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Das heutige Evangelium verstört viele. Man denkt, die Aussage des Hochfestes der Unbefleckten Empfängnis wäre das, was die Mutter Gottes auf die Nachricht des Engels antwortete: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Diese Meinung ist aber falsch. Die Verkündigung des Herrn wird am 25. März, d. h. neun Monate vor Weihnachten gefeiert. Heute, neun Monate vor der Geburt der Muttergottes, feiern wir das, was der selige Pius IX. in seiner dogmatischen Bulle „Ineffabilis Deus“ am 8. Dezember 1854 schrieb, dass „die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Unschuld unversehrt bewahrt wurde“ (DH 2803).

Dieses Hochfest bietet uns die Gelegenheit, uns wieder einmal die Lehre der Kirche von der Erbsünde ins Gedächtnis zu rufen. Das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche formuliert es so: „Die Erbsünde, in der alle Menschen geboren werden, ist der Zustand des Mangels an der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit“ (Kompendium 76). Sie ist nicht eine Sünde, die wir begangen haben, sie ist ein Zustand. Ganz einfach erklärt: es ist wie ein reicher Mensch, der als junger Ehemann mit seiner Frau sein ganzes Vermögen bis zum letzten Heller verlumpt hat. Ihre Kinder sind in Elend geboren. Nun, Adam und Eva waren reich in der Gnade Gottes zur Welt gekommen. Mit ihrem Ungehorsam haben sie ihren Reichtum verlumpt. So geschah es, dass wir, Kinder Evas, jämmerlich arm, mit Fachausdruck: ohne heilig machende Gnade, geboren sind. Den Gnadenschatz haben wir in der Taufe wiederbekommen.

Das weiß jeder, wie hart man kämpfen muss, da die Erbsünde schlimme Folgen hat. Infolge der Erbsünde sind die natürlichen Kräfte der menschlichen Natur verletzt und zur Sünde geneigt. Mit den sogenannten persönlichen Sünden kann der Mensch die in der Taufe wiederbekommene heilig machende Gnade verlieren. Aber durch die unendliche Liebe Gottes kann sie der Mensch in der Beichte zurückbekommen.

Das heutige Hochfest erinnert uns, dass außer dem Herrn Jesus Christus nur eine einzige, nämlich die Muttergottes, frei war von der Erbsünde und allen persönlichen Sünden. Aber das Fest im Advent ruft uns ins Gedächtnis, dass wir uns in der Beichte von unseren Sünden befreien und dann wie unsere Liebe Frau ohne Sünde der Geburt unseres Herrn entgegengehen können.