27. Sonntag im Jahreskreis (05. Oktober 2008)

Mt 21, 33-44 

Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, einen dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist. Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder? Und wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen. 
 

Im Evangelium des heutigen Tages hören wir das Gleichnis von den bösen Winzern. Der Herr spricht erst vom Pflanzen des Weinbergs. Der Gutsbesitzer zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Die Aufzählung der einzelnen Arbeiten soll die Sorgfalt veranschaulichen. Es klingt seltsam, dass der Eigentümer, nachdem der schöne Weingarten fertig war, in ein anderes Land reiste. Aber wahrscheinlich ist der Mann nicht auf Urlaub gegangen, vielleicht musste er als Kaufmann seiner Arbeit nachgehen.  

Klarerweise musste er als Besitzer auch für den Weinberg sorgen. Er verpachtete ihn. Zur Zeit Jesu gab es zwei Varianten von Pachtverträgen. Ein Pachtvertrag sah vor, dass der Eigentümer einen bestimmten Bruchteil des jeweiligen Ernteertrages, oder auch ein fest bestimmtes Quantum der Ernte, bekam. Die zweite Möglichkeit war eine Verpachtung, für die eine festgesetzte Geldsumme als Pachtpreis gezahlt wurde. In dem Gleichnis ist von der ersten Variante die Rede, weil der Herr erzählt, „Als die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen“. Die Pacht musste immer wieder mit Zwangsmitteln eingetrieben werden. 

In unserem Fall sandte der Eigentümer letztendlich seinen Sohn. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Uns scheint es eine groteske Annahme, dass der Weinberg ihnen gehören würde, wenn sie den Erben töteten. Aber bei den Juden war es so üblich, dass dann, wenn kein Erbberechtigter da war, das Eigentumsrecht auf die überging, die eben den Weingarten in Besitz hatten. 

Das Gleichnis erinnert uns daran, dass Gott in Eden einen Garten anlegte. Wie schön der Garten war, das erzählt uns die Bibel: Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen. (Gn 2, 9-10). Der Psalmist stellt fest Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt (Ps 24, 1). Gott verpachtete die Erde an uns Menschen. In dem ersten Buch Mose lesen wir: Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte. Wir sind nur Pächter der Erde und nicht Eigentümer. Der geisteskranke Philosoph Friedrich Nietzsche hatte den Tod Gottes beschworen und herbeigewünscht. „Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, – ihr und ich!“ Danach schreien heutzutage die Liberalen: „Wir sind Gott!“ Also wir sind die Eigentümer. Wir sollten auch die Frage stellen: Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun? Die Antwort haben wir im Evangelium gehört: Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten. 

Was kann man nun machen, dass man nicht ein qualvolles Ende finden wird? Wir haben einen Pachtvertrag auf unbestimmte Zeit. In dieser Zeit müssen wir unsere Pacht regelmäßig bezahlen. Einst hat der Herr seinen liebsten Sohn gesandt. Jetzt müssen wir damit rechnen, dass Er persönlich kommen wird.