Erster Adventsonntag

Wien, am 2. Dezember 2007

Lesejahr A – Erster Adventsonntag

Mt 24, 29-44

Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Die Präfation des Advent fasst sehr schön die Stufen des Kommens Christi zusammen. In seinem ersten Kommen hat er sich entäußert und ist Mensch gewordenEr kommt wieder im Glanz seiner Herrlichkeitund jetzt erwarten wir ihn gläubig mit wachem Herzen (vgl. Der große Wochentags-Schott, Teil 1, Freiburg, 1976, 1396). Von drei Kommen des Herrn ist die Rede.

Sein erstes Kommen verkündeten die Propheten. Nach diesem Kommen sehnten sich die Urväter, als sie beteten: „Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen! Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor, sie lasse Gerechtigkeit sprießen“ (Jes 45, 8). Das erste Kommen geschah, als er sich entäußerte und vor 2000 Jahren in Bethlehem Mensch geworden ist.

Vom zweiten Kommen sprachen die zwei Engel, als sie den Aposteln verkündeten: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen“ (Apg 1,11). Das zweite Kommen wird anders aussehen als das erste. Er selbst sagt es: „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen“ (vgl. Lk 21,27). Dieses Kommen wünscht das Buch der Offenbarung herbei, wenn es ruft: „Komm, Herr Jesus!“ (22,20).

Das dritte Kommen erleben wir von Tag zu Tag. Er sprach zu uns: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 20). Dieses Kommen könnten wir auch das sakramentale Kommen nennen. Wenn nach dem ersten Kommen die Sehnsucht mit den Worten: „Taut, ihr Himmel, von oben“ ausgedrückt wurde, wenn wir unseren Wunsch nach dem zweiten Kommen mit den Worten äußern: „Komm, Herr Jesus!“, dann können wir sagen, dass unser innigstes Verlangen nach diesem sakramentalen Kommen Ausdruck findet in den Worten des Hauptmanns: „Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund“. (Mt 8, 8).

Die drei Kommen Christi kann man so zusammenfassen: das Kommen des Herrn in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. An das Kommen in der Vergangenheit erinnern wir uns zu Weihnachten. An dem Kommen in der Gegenwart haben wir in der Messe bei der Kommunion teil. Wann das Kommen in der Zukunft sein wird, das wissen wir natürlich nicht. Davon hat er eben heute im Evangelium gesagt: “Haltet ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.“