26. Sonntag im Jahreskreis (28. September 2008)

Mt 21, 28-32 

Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. 
 

Werfen wir einen Blick auf den Hintergrund des heutigen Gleichnisses im Evangelium! Am Palmsonntag ist Jesus feierlich in Jerusalem eingezogen. Er ging in den Tempel und hatte alle Händler und Käufer aus dem Tempel hinausgetrieben und sagte: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle. Am folgenden Tag ging er in den Tempel, um zu lehren. Da kamen die Machthaber, die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben? Er gab ihnen auf ihre Frage keine Antwort, sondern begann sofort ein Gleichnis zu erzählen. Und man wundert sich! Gestern hatte er noch die Händler und Käufer aus dem Tempel hinausgetrieben, jetzt aber scheint es, als würde er die schwarzen Schafe, die zur Zeit Jesu lebten, die Zöllner und Prostituierte waren, für gut erachten: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. 

Nicht genau davon ist die Rede! Er spricht natürlich von Zöllnern und Dirnen, die sich bekehrt haben und ihrem Leben eine neue Ausrichtung gegeben haben. Denken wir nur an den Zöllner Matthäus, der das von ihm ergaunerte Vermögen wieder zurückerstattete. Wir kennen auch die Geschichte der Prostituierten, die Jesus mit ihren Tränen die Füße wusch. Kurz und bündig: Wir dürfen niemanden abschreiben, nicht einmal uns selbst! 

Ich las ein Gedicht des berühmten deutschen Redemptoristen, Pater Klemens Nodewald. Es gefiel mir so sehr, dass ich es euch heute vorlesen muss: 

Vielleicht nennt man dich ein schwarzes Schaf.

Vielleicht tanzt du immer aus der Reihe.

Vielleicht fällst du überall unangenehm auf.

Vielleicht machst du es niemandem recht.

Vielleicht hat jeder etwas an dir auszusetzen. 

Vielleicht fühlst du dich selbst als schwarzes Schaf.

Vielleicht bist du sehr ungeschickt und unbeholfen.

Vielleicht hast du etwas an dir,

das ständig den Zorn anderer auf dich lenkt.

Vielleicht bist du das Sorgenkind

in deiner Familie.

Vielleicht bist du wirklich ein schwarzes Schaf. 

Wie schwarz du dich auch immer siehst,

wie schwarz andere dich auch einstufen –

wenn du wirklich ein schwarzes Schaf

sein solltest,

dann steht doch eines fest:

Auch schwarze Schafe geben Milch

und Wolle für warme Kleidung Jahr um Jahr ...

(Aus: Klemens Nodewald, Applaus für den Zitronenfalter. Von der Weisheit der kleinen Dinge. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2002). 

Die griechischen Katholiken haben ein Gebet, das sie vor der Kommunion beten. Es passt sehr gut zu dem heutigen Evangelium. „Sohn Gottes! Nimm mich heute als Gast Deines geheimnisvollen Mahles an; denn ich will das Geheimnis nicht Deinen Feinden verraten, noch Dir einen Kuss geben wie Judas, sondern wie der Räuber bekenne ich vor Dir: Gedenke meiner, o Herr, in Deinem Reiche." Amen.