Kreuzerhöhung (14. September 2008)

Joh 3, 13-17 
 

Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. 
 

Das Kreuzfest im September hat seinen Ursprung in Jerusalem; dort war am 13. September 335 die Konstantinische Basilika über dem Heiligen Grab feierlich eingeweiht worden. Der 13. September war auch der Jahrestag der Auffindung des Kreuzes gewesen. Am 14. September, dem Tag nach der Kirchweihe, wurde in der neuen Kirche dem Volk zum ersten Mal das Kreuzesholz gezeigt („erhöht“) und zur Verehrung dargereicht. Später brachte man das Fest auch in Verbindung mit der Zurückeroberung des heiligen Kreuzes durch Kaiser Heraklius im Jahr 628; in einem unglücklichen Krieg war das Kreuz an die Perser verloren gegangen, Heraklius brachte es feierlich an seinen Platz in Jerusalem zurück. 

Das deutsche Bundesverfassungsgericht ordnete an, dass in den Schulen aus Rücksicht auf Andersgläubige und Ungläubige keine Kreuze mehr hängen dürften. Auch in Österreich wurde darüber diskutiert. Bei uns in Ungarn werden die Kreuze oft beschädigt oder umgestürzt. Und man könnte noch sehr viele andere Beispiele angeben. Das Kreuz – lesen wir in der Bibel – ist für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit (vgl. 1Kor 1, 23). Dieses Hassgefühl gegen das Kreuz sollte uns ins Bewusstsein rufen, dass mit dem Bekenntnis zum Kreuz unser Bekenntnis zu Jesus Christus steht und fällt, der für uns Menschen am Kreuz gestorben ist, von dem Paulus schreibt: Ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten (1Kor 2,2). 

Wenn wir heute Kreuzerhöhung feiern, feiern wir kein Stück Gold oder Silber, kein Stück Holz oder Stein. Am Tag der Kreuzerhöhung feiern wir die Liebe Gottes, der so sehr die Welt geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab damit jeder das ewige Leben hat (vgl. Joh 3, 16). Wir feiern den, dessen Tod das Kreuz zu einem ungeheuer dichten Symbol werden ließ. Wir denken an Christus, der am Kreuz gelitten hat. Und wir denken daran, dass er uns in seinem Leiden vorangegangen ist, dass wir selbst dieses Kreuz auf uns nehmen müssen - jeder auf seine und jede auf ihre Art, dass auch wir sterben werden, jeder Einzelne von uns. Aber vor allem anderen denken wir daran, und das feiern wir heut' ganz besonders, dass der, der am Kreuz gestorben ist, den Tod überwunden hat, dass das Kreuz durch seine Auferstehung zum Siegeszeichen geworden ist, zum Symbol der Auferstehung, zum Bild dafür, dass der Tod alle Macht verloren hat.