20. Sonntag im Jahreskreis (17. August 2008)

Mt 15, 21-28 
 

Von dort zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus jener Gegend zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Befrei sie (von ihrer Sorge), denn sie schreit hinter uns her. Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Doch die Frau kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir! Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen. Da entgegnete sie: Ja, du hast recht, Herr! Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt. 

Zur Zeit Jesus waren die Menschen in Heiligen Land an der Meinung, dass der Hund nicht ein eigentliches Haustier sei. Es wurde, wenn auch in der rabbinischen Literatur gelegentlich seine Brauchbarkeit und Treue anerkannt wird, als das verachteste, frechste und elendste Geschöpf zugezählt. Es prägte sich deshalb die gehässigste Verachtung darin aus, wenn man einem Hund den Namen eines verhassten Menschen beilegte, oder wenn man einen Menschen einen Hund nannte. 

Die meisten Hirten aber, besonders wo Wildgefahr war, haben einen Hund gehalten. Im Talmud lesen wir, dass der Besitzer der Herde musste, wenn er den Hirten ihren Teigmenge sandte, auch für den Hunde Teig senden. Die Hirten haben also besonderes Brot für ihre Hunde gebacken. Andererseits war es eine Redensart gab man dem Hund, was sonst nicht zu verwerten war. So befall z. B. Mose, wenn er vorschrieb: „Fleisch von einem Tier, das auf dem Feld gerissen wurde, sollt ihr nicht essen; ihr sollt es den Hunden vorwerfen“ (Ex 22, 30). 

Hund hat viele Bezeichnung in der Bibel und in dem Talmud. Es bezeichnet einen unwissenden Menschen. So nennte Rabbi Jannai einen Gast, den er in sein Haus führte und speiste. Er prüfte auch ihn der Schrift, in der Mischna, in der Haggada und im Talmud, aber er fand nichts. Da sagte der Rabbi: „Ein Hund hat das Brot Jannai gegessen“ (Strack / Billerbeck: Kommentar I. Bd., S. 724). – Hund bezeichnet auch einen gottlosen Menschen. Die Gottlosen sind treulose Frevler. „Abend für Abend kommen sie wieder, - singt der königliche Psalmist – sie kläffen wie Hunde, durchstreifen die Stadt“ (Ps 59, 7). – Hund ist auch die Bezeichnung der Heiden: „Die Völker der Welt gleichen den Hunden“ – steht es in dem Talmud (ibidem S. 725).  

In diesem letzten Sinn sagte heute im Evangelium Jesus zu einer kanaanäischen Frau: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ Die Antwort der Frau – Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen  verstehen die mersten so, dass Menschen sitzen Rund um den Tisch und der Vierbeiner bei die Füße sein Herrn, der ihm etwas zu Essen hinunter werft. Aber nicht von den ist die Rede. Nach einem Mahl, nach die Aufhebung der Tafel musste der Speisesaal säuber gemaht, so, dass man die olivengroßen Brotstücke sorgfältig gesammelt hat, und den Rest hat man den Sklaven gegeben. Das war ja nicht wenig. Denken wir an die wunderbaren Brotmehrung. Als die Menge satt war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren“ (Joh 6, 11-12). Auf diese Brotreste beruft sich die heidnische Frau. 

Heutzutage jammert man wegen der hohen Lebensmittelkosten. Ich las ein Artikel, dass jeder Österreicher schmeißt jährlich, so ungefähr 100 Euro wert originalverpackten Lebensmitteln, die sie auf Vorrat gekauft haben und schlecht geworden sind, in den Mistkübel. In ein Krankenhaus im Wien kochen die Schwestern für die Kranken. Einst war es so, dass da viel Kranken das Essen nicht bitten, wurde viel ungerührt in die Küche zurückgebracht und Nachmittag den Obdachlosen ausgeteilt. Heute, nach den EU Gesetze müssen die Schwestern alles in Mist hinauswerfen. Einst war das Brot heilig. Unsere Eltern haben noch uns so erzogen, dass wenn ein Stück Brot auf die Erde fall, müssten wir es aufheben, küssen und einem Hund, einer Katze oder den Vögeln geben. 

Der Herr lobt die Frau. Was möchte er uns sagen, die seine Geschenke in die Mülltonnen werfen?